Last-Minute-Wahnsinn! Veilchen krönen Traum-Saison mit Aufstieg in die Bezirksoberliga
Es gibt Fußballspiele. Und es gibt Spiele, die einem alles abverlangen – den Spielern auf dem Platz, den Trainern an der Seitenlinie und vor allem den Eltern und Fans, deren Herzschlag sich irgendwo zwischen Hoffnung, Verzweiflung und Ekstase bewegt. Das entscheidende Saisonfinale der D1-Junioren der SpVgg Altenerding beim SE Freising gehörte zweifellos zur zweiten Kategorie.
Die Ausgangslage war eindeutig – und gnadenlos. Nach dem 8:0-Erfolg des direkten Konkurrenten FC Schwaig am Vortag gab es für die Veilchen nur eine Option: Siegen oder den Traum von der Bezirksoberliga begraben.
Entsprechend groß war die Kulisse. Zahlreiche Anhänger aus Altenerding verwandelten den Sportplatz in Freising beinahe in ein Heimspiel. Die Unterstützung von außen war beeindruckend – und sie wirkte.
Kaum hatte der junge Schiedsrichter, der erst eine Minute vor dem Anpfiff den Platz erreichte, das Spiel freigegeben, übernahmen die Veilchen sofort das Kommando. Angriff um Angriff rollte auf das Tor der Gastgeber zu. Michael Melissourgos hatte früh die Führung auf dem Fuß, doch der groß gewachsene Freisinger Schlussmann verhinderte den Einschlag. Auch in der Folge erspielte sich Altenerding beste Möglichkeiten, ließ jedoch die notwendige Konsequenz vor dem Tor vermissen.
Und wie so oft im Fußball rächte sich das.
Mit ihrer ersten echten Torchance gingen die Gastgeber in Führung. Nach einer Ecke setzte sich ein Freisinger Angreifer im Kopfballduell durch. Torhüter Timo Wegener war zwar noch mit den Fingerspitzen am Ball, konnte das 0:1 aber nicht mehr verhindern.
Wer nun dachte, die Veilchen würden nervös werden, irrte gewaltig
Angetrieben von einer überragenden Kulisse drängte Altenerding den SE Freising immer weiter in die eigene Hälfte. Besonders Valentin Kugler und Matteo Hulm verteidigten nicht nur souverän, sondern schalteten sich immer wieder mutig ins Offensivspiel ein. Kugler zwang den Torhüter mit einem Distanzschuss zu einer Glanzparade, wenig später entschärfte der Keeper auch seinen nächsten Versuch. Emil Fernandez wirbelte auf der linken Seite unermüdlich, bereitete Chancen vor und scheiterte anschließend selbst am Innenpfosten – spätestens da schien der Fußball-Gott an diesem Abend eher Gelb-Schwarz als Violett zu tragen.
Doch Beharrlichkeit wird im Fußball manchmal doch belohnt.
Nach 16 Minuten setzte sich Kapitän Michael Melissourgos erneut über die rechte Seite durch. Seinen Schuss konnte der Torhüter nur nach vorne abwehren – genau vor die Füße von Noah Memed. Der ließ sich nicht zweimal bitten und schob zum längst überfälligen 1:1-Ausgleich ein. Die Erleichterung war bis auf die Tribüne zu spüren.
Kurz vor der Pause belohnten sich die Gäste endgültig für ihren enormen Aufwand. Erneut war Melissourgos auf der rechten Seite nicht zu stoppen und konnte im Strafraum nur noch regelwidrig gestoppt werden. Elfmeter.
Obwohl es bekanntlich heißt, der Gefoulte solle nicht selbst antreten, kümmerte sich Melissourgos herzlich wenig um Fußballweisheiten. Eiskalt verwandelte er flach ins linke Eck und brachte seine Farben mit 2:1 in Führung.
Dass der Schiedsrichter anschließend trotz des dezenten Hinweises von Trainer René Feuker, sein Wecker habe bereits geklingelt, noch drei Minuten nachspielen ließ, änderte am Spielstand glücklicherweise nichts mehr.
Während die Spieler in der Halbzeitpause konzentriert den Anweisungen des Trainertrios Rene Feuker, Enes Memed und Walter Hulm folgten, und sich konzentriert auf den zweiten Durchgang vorbereiteten, herrschte bei den zahlreichen Zuschauern trotz der Führung plötzlich Tristesse.
In der Halbzeit mussten die mitgereisten Fans nämlich feststellen, dass es weit und breit keinen Verkaufsstand gab. Die geplante Bratwurst musste ebenso ausfallen wie das Kaltgetränk. Vermutlich war das aber gar nicht so schlecht – schließlich hätten viele ihre Brotzeit vor lauter Nervosität ohnehin nicht heruntergebracht.
Der zweite Durchgang begann dann allerdings mit dem nächsten Schock
Nur Sekunden nach Wiederbeginn zögerte der eingewechselte Muaaz Mohammed einen Moment zu lange beim Klärungsversuch. Ein Freisinger Angreifer nutzte die Gelegenheit eiskalt zum 2:2-Ausgleich. Bitter für Mohammed, der jedoch sofort von seinen Mitspielern aufgebaut wurde und anschließend wieder zu seiner starken Leistung fand – ein schönes Zeichen für den großartigen Zusammenhalt dieser Mannschaft.
Doch auch dieser Rückschlag brachte die Veilchen nicht aus der Spur
Philipp Feuker verpasste nach glänzender Vorarbeit von Fernandez nur knapp die erneute Führung, denn nach einer flachen Hereingabe von Fernandez visierte er nur den Querbalken an. Der unermüdliche Antreiber im Mittelfeld hatte aber sein Visier an diesem Tag nicht exakt genug eingestellt, so dass seine Freistöße aus aussichtsreichen Positionen leider das Tor verfehlten.
Aber gemeinsam mit Marco Ebert lenkte er immer wieder das Spiel der Gäste, während Andi Neumann auf der Außenbahn unermüdlich Kilometer sammelte und selbst mit einem sehenswerten Abschluss nur an einer weiteren Glanzparade des Freisinger Torhüters scheiterte.
Dann schlug das Aluminium erneut gegen Altenerding aus.
Nach einem Traumpass von Melissourgos lief Paul Schiwietz alleine auf das Tor zu und schlenzte den Ball im Stile von Michael Olise technisch fein in Richtung langes Eck. Der Jubel setzte bereits ein – ehe der Innenpfosten dem Traum ein weiteres Mal im Weg stand.
Mit jeder verstrichenen Minute wurde die Anspannung größer. Auf dem Platz schwand die Zeit, am Spielfeldrand die Fingernägel. Die Veilchen rannten unermüdlich an, während sich Freising mit allem verteidigte, was Beine hatte. Jeder Schuss wurde geblockt, jeder Zweikampf angenommen. Ob es tatsächlich eine Siegprämie aus Schwaig gegeben hätte, ließ sich zwar nicht nachweisen – der Einsatz der Gastgeber hätte diese Vermutung allerdings durchaus glaubhaft erscheinen lassen.
Fünf Minuten vor dem Ende erinnerten sich die Zuschauer des älteren Semesters an das Jahr 2001, als der FC Bayern München beim Gastspiel beim Hamburger SV in der Schlussminute nach einem Rückpass zum Torhüter einen Freistoß zugesprochen bekamen und diesem zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft nutzten.
Doch die Nachwuchskicker der SpVgg wussten 25 Jahre später die gleiche Chance nicht zu nutzen, denn man agierte zu umständlich, so dass der abschießende Schuss leider in den auffangbereiten Händen des SEF-Torhüters landete. Die Nerven war bis zum Zerreißen angespannt.
Als bereits die Nachspielzeit lief, schien der Traum von der Bezirksoberliga endgültig zu platzen.
Doch Fußball schreibt bekanntlich die schönsten Geschichten und der Fußball-Gott war nun auf Altenerdinger Seite und sollte die Überlegenheit der Veilchen schließlich doch noch belohnen.
In der dritten Minute der Nachspielzeit zog Michael Melissourgos noch einmal flach ab. Sein Schuss wäre vermutlich am Tor vorbeigegangen, doch ein Freisinger Verteidiger blockte den Ball ab. Und plötzlich lag das Spielgerät genau dort, wo sich Stürmer instinktiv aufhalten.
Vincent Mörtl reagierte blitzschnell. Ohne zu zögern drosch er den Ball kompromisslos zum 3:2 in die Maschen.
Danach gab es kein Halten mehr.
Spieler, Trainer, Ersatzbank und Fans explodierten förmlich vor Freude. Die Emotionen entluden sich in einer Jubeltraube, die man wohl noch in Altenerding gespürt haben dürfte.
Ganz vorbei war das Drama allerdings noch nicht.
Der Schiedsrichter verlängerte die Nachspielzeit aufgrund der ausgiebigen Feierlichkeiten kurzerhand um weitere zwei Minuten und ließ die Veilchen noch einmal zittern. Freising warf nun alles nach vorne, doch die Defensive um den starken Timo Wegener ließ nichts mehr anbrennen. Der letzte Abschluss der Gastgeber strich deutlich am Tor vorbei.
Dann ertönte endlich der erlösende Schlusspfiff
Was folgte, waren unvergessliche Bilder.
Spieler, Trainer und Fans feierten gemeinsam die Meisterschaft und den Aufstieg in die Bezirksoberliga – den verdienten Lohn für eine herausragende Saison, in der die Mannschaft nicht nur spielerische Klasse, sondern vor allem außergewöhnlichen Teamgeist, unerschütterlichen Glauben und beeindruckende Moral bewiesen hat.
Und eines darf zum Abschluss natürlich nicht unerwähnt bleiben: Die in der Halbzeit schmerzlich vermissten Getränke dürften spätestens in der dritten Halbzeit reichlich nachgeholt worden sein, so dass die mitgereisten Zuschauer noch auf ihre Kosten kamen, während die erfolgreichen Kicker mehr Spaß daran hatten, die Meisterschale stolz in den Abendhimmel zu hieven.
Herzlichen Glückwunsch an die gesamte Mannschaft, das Trainerteam sowie alle Eltern und Unterstützer zu einem Aufstieg, der spannender kaum hätte geschrieben werden können. Ab der kommenden Saison heißt es wieder: Bezirksoberliga – mit den Veilchen mittendrin.
Weitere Bilder vom Spiel

