Mit einem in dieser Form außergewöhnlichen Vereinsabend hat die Fußballabteilung der SpVgg Altenerding am vergangenen Freitag in der Semptsporthalle ein deutliches Zeichen gesetzt – für gesellschaftliche Verantwortung, für die Zukunft des Vereinslebens und vor allem für die immense Bedeutung des Ehrenamts. Rund 200 Mitglieder, Ehrenamtliche, Gäste und Vertreter anderer Vereine folgten der Einladung und erlebten eine inhaltlich tiefgehende, hervorragend organisierte und von allen Seiten gelobte Veranstaltung.

Im Mittelpunkt des Abends stand bewusst nicht der sportliche Erfolg, sondern die Frage, wie Vereine in Zeiten gesellschaftlichen Wandels, steigender Anforderungen und sinkender Bereitschaft zum Engagement zukunftsfähig bleiben können. Bereits in seiner Begrüßung machte Fußballabteilungsleiter Andreas Heilmaier deutlich, dass sich die Rolle von Sportvereinen in den letzten Jahren stark verändert habe. Neben dem sportlichen Angebot übernehmen Vereine heute auch soziale, integrative und gesellschaftliche Aufgaben.

Gleichzeitig betonte Heilmaier, dass ein Ehrenamt nicht nur für den Verein, sondern auch für die ehrenamtlich Engagierten selbst ein echter Gewinn sei. Menschen, die Verantwortung im Verein übernehmen, gelten als zuverlässig, belastbar und verantwortungsbewusst. Sie erwerben soziale Kompetenz, Organisationsfähigkeit und Teamgeist – Eigenschaften, die auch im Berufsleben sehr geschätzt werden.
„Ehrenamtliches Engagement ist kein Zeitverlust, sondern eine Investition – in den Verein, aber auch in die eigene persönliche und berufliche Entwicklung“, so Heilmaier.

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit klaren Botschaften

Der zentrale Programmpunkt des Abends war eine von Peter Kugler moderierte Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen: Erdings Oberbürgermeister Max Gotz, Jürgen Loher (Vorsitzender BRK-Kreisverband Erding), Philipp Hausner (Geschäftsführer SSV Jahn Regensburg), Andreas Luthe (Vorstandsvorsitzender VfL Bochum) sowie Matthias Dasch, zweiter Fußballabteilungsleiter der SpVgg Altenerding.

Diskutiert wurde unter anderem die Frage, ob sich das Ehrenamt angesichts gesellschaftlicher Veränderungen an einem Scheideweg befindet. Schnell wurde deutlich: Ohne Ehrenamt ist weder Vereinsleben noch gesellschaftlicher Zusammenhalt denkbar.

Kommunen und Vereine – freiwillige Leistungen mit großer Wirkung

Oberbürgermeister Max Gotz stellte in der Diskussion klar, dass Ausgaben der Kommunen für den Sport keine Pflichtaufgabe, sondern freiwillige Leistungen seien. Umso wichtiger sei es, diese bewusst zu leisten. Die Stadt Erding wolle sich auch künftig klar zum Sport und zu den Vereinen bekennen, da diese einen enormen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Vereine übernehmen laut Gotz insbesondere in der Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Sie bieten sinnvolle Freizeitgestaltung, geben Struktur und vermitteln Werte, die heute wichtiger denn je sind: Respekt, Toleranz, Fairness, Durchsetzungsvermögen, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
„Vereine leisten hier Arbeit, die weit über den Sport hinausgeht und die Gesellschaft insgesamt stärkt“, so Gotz.

Gleichzeitig sprach der Oberbürgermeister die zunehmende Vereinsamung – insbesondere älterer Menschen – an. Auch hier könnten Vereine wertvolle Begegnungsräume schaffen. Die SpVgg Altenerding sieht sich dieser Verantwortung bewusst und möchte Menschen aller Generationen eine Heimat im Verein bieten.

Ehrenamt – unverzichtbar bis in den Profifußball

Einen eindrucksvollen Blick über den Amateurbereich hinaus lieferte Philipp Hausner vom SSV Jahn Regensburg. Er machte deutlich, dass auch Profivereine in hohem Maße auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sind.
„Auch unser Verein profitiert enorm von ehrenamtlicher Arbeit – sie spart Kosten und schafft Strukturen, die sonst kaum finanzierbar wären“, so Hausner.

Zudem betonte er die Verantwortung der Profivereine gegenüber der Basis. Ohne Amateurvereine gäbe es keinen Profifußball. Deshalb übernehmen Profiklubs mittlerweile auch Kosten für Trainerausbildungen, insbesondere im Nachwuchsbereich. Finanziert werden diese Maßnahmen unter anderem durch Strafzahlungen, etwa aus dem Einsatz von Pyrotechnik in Stadien – ein Beispiel dafür, wie Mittel aus dem Profibereich sinnvoll in die Entwicklung an der Basis zurückfließen können.

Ausbildung von Ehrenamtlichen – klare Forderung an den BFV

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Jürgen Loher mit dem Thema Ausbildung von Ehrenamtlichen. Er zog Parallelen zum BRK, wo junge Menschen frühzeitig eingebunden und qualifiziert werden. Die Kosten für diese Ausbildungen trägt bewusst der Verband.
„Diese Strategie sichert langfristig qualifizierte Ehrenamtliche und stärkt die Organisation nachhaltig“, erklärte Loher.

Dieser Ansatz wurde als zukunftsweisend auch für Sportvereine gesehen. In der Diskussion wurde deutlich formuliert, dass hier insbesondere der Bayerische Fußball-Verband (BFV) stärker gefordert sei, Vereine bei Ausbildungs- und Fortbildungskosten zu unterstützen. Investitionen in Ausbildung seien Investitionen in Qualität, Nachhaltigkeit und Zukunft des Amateurfußballs.

Ehrenamtliche Firmen – neue Wege der Unterstützung

Neben Verbänden und Kommunen nahm Jürgen Loher auch die Wirtschaft in die Pflicht. Er regte an, Unternehmen nicht nur als Sponsoren, sondern als ehrenamtliche Partner zu gewinnen.
„Warum sollten Betriebe nicht bestimmte Arbeiten für Vereine unentgeltlich übernehmen – handwerkliche Leistungen, organisatorische Unterstützung oder Fachwissen?“, so Loher.

Dieser Ansatz eröffnet Vereinen neue Perspektiven der Zusammenarbeit und entlastet Ehrenamtliche spürbar. Auch bei der SpVgg Altenerding sollen solche Modelle künftig weitergedacht werden.

Vision 2030, Infrastruktur und konkrete Ergebnisse

Mit der Vision 2030 gab Peter Kugler einen Ausblick auf die Zukunft der SpVgg Altenerding. Neben ambitionierten sportlichen Zielen stehen die Entwicklung von Trainern und Spielern, externe Kooperationen, neue Sponsoring-Partnerschaften sowie die dringend notwendige Erweiterung des Vereinsheims im Fokus. Das bestehende Vereinsheim stößt aufgrund des Mitgliederzuwachses zunehmend an seine Grenzen. Oberbürgermeister Gotz stellte hierzu Unterstützung durch die Stadt in Aussicht.

Abgerundet wurde der Abend durch eine vereinsinterne Jobbörse, bei der konkrete ehrenamtliche Aufgaben vorgestellt wurden. Bereits hier zeigte sich der direkte Erfolg der Veranstaltung: Mehrere Besucher erklärten ihre Bereitschaft, künftig Verantwortung im Verein zu übernehmen.

Das positive Echo – auch von Vertretern anderer Vereine – war eindeutig. Gelobt wurden Organisation, Offenheit und die klare Botschaft zugunsten des Ehrenamts. Andreas Luthe brachte es treffend auf den Punkt:
„Solche Veranstaltungen sind enorm wichtig und sollten weit über Altenerding hinaus Schule machen.“

Dass der Vereinsabend keine einmalige Aktion bleiben soll, bestätigte Initiator Peter Kugler bereits zum Abschluss. Auch im kommenden Jahr wird es wieder einen Vereinsabend geben – als klares Bekenntnis der SpVgg Altenerding zur Zukunft des Ehrenamts und zu einem starken, lebendigen Vereinsleben.